Von größter Bedeutung ist hier die Angriffslust Gottes, der den Nationen ein Ende bereiten will, die den Israeliten traditionell das Leben schwer gemacht hatten. So kündigt er etwa Tyrus an, es in den Flammen untergehen zu lassen, während Aschkelon „nicht mehr bewohnt wird“, wofür vermutlich ebenfalls Feuer eine entscheidende Rolle spielen wird. Was den Stolz der Philister angeht, wird er „zerschlagen“, was ebenfalls eine Umschreibung für Vertreibung, Vernichtung und Zerstörung ist. An einer Stelle heißt es: „Öffne deine Tore / Libanon“, was noch beinahe freundlich klingt, bevor sich diese vorgebliche Freundlichkeit als kalte Ankündigung des Todes entpuppt: „Damit das Feuer deine Zedern frisst!“
Besonders hat es Gott aber auf die Griechen abgesehen, deren hellenistische Vielgötterei wesentlich zu den Irrwegen beigetragen hat, auf die sich sein eigenes Volk immer wieder so entschlossen begeben hat. Ihm schwebt eine Schlacht der Kinder Zions gegen die Hellenisten vor, wobei nichts an seiner Ankündigung einen Zweifel daran lässt, dass es sich dabei um alles, nur nicht um einen fairen Kampf handeln wird: „Der HERR selbst wird über ihnen erscheinen / und wie ein Blitz schießt sein Pfeil dahin und Gott, der HERR, bläst ins Horn.“ Gott, der HERR, bläst also nicht nur ins Horn, sondern knüpft sich persönlich die hoffnungslosen Truppen einer Theologie vor, in deren Pantheon für mehr als nur eine Gottheit Platz ist.
Nachdem die Schlachten geschlagen und – aufgrund der göttlichen Parteinahme – die Feinde Israels besiegt sind, wird ein Ereignis beschrieben, das Christen aus naheliegenden Gründen aufhorchen lässt. Nämlich der Einzug des Friedenskönigs „für Israel und die Völker“, der auf einem Esel nach Jerusalem reiten wird. „Er wird den Nationen Frieden verkünden; und seine Herrschaft reicht von Meer zu Meer / und vom Strom bis an die Enden der Erde“, heißt es dabei.
Bis heute finden die Christen, dass dieser Friedenskönig doch eindeutig Jesus von Nazareth war, der schließlich auf einem Esel nach Jerusalem kam, während die Juden weniger überzeugt sind und finden, dass zum Friedenskönig mehr gehört, als sich auf eines dieser störrischen Tiere zu setzen und so durch Jerusalem zu ziehen, ohne herunterzufallen.
(Fortsetzung folgt…)