Jesus schleppt in diesem Evangelium das Kreuz selbst und bekommt es nicht von einem Mann getragen, der nur zufällig im falschen (oder richtigen) Moment vom Feld herüberkam. Aus irgendeinem Grund hatten sich die Römer die Mühe gemacht, über Jesus am Kreuz eine Tafel mit der Inschrift „Jesus von Nazaret, der König der Juden“ anzubringen und das Ganze sogar noch in drei Sprachen, nämlich hebräisch, lateinisch und griechisch.

Als der Hohepriester das sah, beschwerte er sich und forderte eine Änderung: „Schreib nicht“, begann er, „Der König der Juden, sondern, dass er gesagt hat: Ich bin der König der Juden.“ Vermutlich war das der Moment, in dem Pilatus dieses tödliche Gezänke innerhalb einer merkwürdigen Religion endgültig zu viel wurde.  Jedenfalls meinte er nur knapp: „Was ich geschrieben habe, habe ich geschrieben.“

Jesus starb in dieser Version auf geradezu unauffällige Weise. Keine Erdbeben oder gespaltener Felsen folgten und sogar der Vorhang im Tempel blieb heil, als Jesus nur leise hauchte „Es ist vollbracht!“ und starb. Zwei Männer erhielten von Pilatus die Erlaubnis, den Leichnam vom Kreuz zu nehmen und zu bestatten. Maria von Magdala ist der erste Mensch, der das leere Grab bemerkt, und wie alle anderen denkt sie erst an alles, nur nicht an die Folgen einer geglückten Auferstehung.

Genau genommen hielt sie ihn für den Gärtner, als er ihr erschien, weswegen sie ihn prompt fragte, wohin er die Leiche gebracht habe. Unter Jüngern und anderen Anhängern herrschte jedenfalls große Ratlosigkeit, wo der Leichnam sein könnte. Später erschien Jesus dann auch seinen Jüngern und endlich bestand kein Zweifel mehr, dass er es war, und nun verstanden sie auch endlich all seine Andeutungen und Hinweise, die er ihnen vor seiner Kreuzigung über seine Kreuzigung und seine Rückkehr gemacht hatte.

(Fortsetzung folgt…)