Jesus wäscht in diesem Evangelium beim Letzten Abendmahls seinen Jüngern die Füße und erklärt den verdutzten Männern, dass sie das jetzt noch nicht verstehen können. Was sie durchaus schon hätten verstehen können, ist aber der gar nicht so subtile Hinweis von Jesus, wer von ihnen der Verräter sein wird: „Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde!“, erklärt er nämlich, bevor er das eingetauchte Brot dem Judas Iskariot gab.
Trotzdem begriff niemand, was Jesus meinte. Als er in Richtung Judas sogar noch nachschob: „Was du tun willst, das tue bald!“, dachten die Jünger, Judas solle noch zügig etwas für das gemeinsame Fest einkaufen gehen, da er so etwas wie der Kassenwart der Gruppe war.
In einer seiner Reden, Jesus neigte zu ausschweifenden Erläuterungen, heißt es auch „Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen“, was zugleich den Gerechten einen Platz an der Seite Gottes in Aussicht stellt und dennoch auf eine Endlichkeit dieser Plätze hinweist. Es heißt schließlich nicht: „Im Haus meines Vaters gibt es für jeden eine Wohnung.“
Als Jesu Zeit schon beinahe abgelaufen ist, fällt ihm womöglich erst auf, dass sein Reden in Gleichnissen (er nennt es an einer Stelle „Bildreden“) seine Worte nicht verständlicher machte, sondern vielleicht sogar komplizierter. Als er nämlich darauf verzichtet, bemerken seine Jünger prompt: „Siehe, jetzt redest du offen und sprichst nicht mehr in Bildreden“ und verstehen tatsächlich sofort, was er meint. Jesus selbst reagiert mit einem „Glaubt ihr jetzt?“ und grübelt vielleicht, wie viel schneller er mögliche Zweifel hätte ausräumen können, wenn er auf Gleichnisse wie den „verlorenen Sohn“ oder den „guten Hirten“ zugunsten einer klaren Sprache verzichtet hätte.
(Fortsetzung folgt…)
