Im Johannes-Evangelium wird man Zeuge einer der berühmtesten Taten Jesu, nämlich der Verwandlung von Wasser in Wein. Letztlich handelte es sich dabei aber um nicht viel mehr als einen Freundschaftsdienst für einen Bräutigam, dem auf seiner Hochzeit der Alkohol ausgegangen war. Danach zog er „mit seiner Mutter, seinen Brüdern und seinen Jüngern“ weiter. Sein Stiefvater Josef fehlte in dieser Gruppe, so wie er in Bezug auf Jesus offenbar immer die unglückliche Rolle des fünften Kutschenrads am Wagen innehatte.

Ganz ohne gestohlenen Esel und einer jubelnden Menschenmenge reiste Jesus in diesem Evangelium nach Jerusalem, um die „Verkäufer von Rindern, Schafen und Tauben und die Gelwechsler“ aus dem Tempel zu vertreiben, den er als Haus seines Vaters bezeichnete, das sie zur „Markthalle“ gemacht hätten.

Auch ließ er sich zur Bemerkung hinreißen, dass er diesen Tempel in drei Tagen wieder aufbauen könnte, woraufhin ihm mitgeteilt wurde, dass die Bauzeit einst sechsundvierzig Jahre betragen hatte. Viele nahmen ihm diese Behauptung übel und hielten sie für Prahlerei, weil letztlich niemand verstand, dass er „den Tempel seines Leibes“ meinte und damit auf seine Auferstehung anspielte, die aber noch in der Zukunft lag und darum als Referenz erst nach eben dieser von einigen verstanden wurde.

Jesus beeindruckte mit seinen Fähigkeiten auch eine Gemeinde von Samaritern, nachdem er seine prophetischen Fähigkeiten für die wenig charmante Feststellung nutzte, dass die ihm gegenübersitzende Frau schon fünf Männer hatte und nun eine außereheliche Beziehung führt.

Im Johannes-Evangelium scheint Jesus bei weitem nicht so viel zu heilen, wie in den drei anderen. So ist die Rettung eines todkranken Kindes schon eine der wenigen Erwähnungen seiner diesbezüglichen Taten. Viel mehr wird auf seine Rolle als Messias hingewiesen, die in den drei anderen tatsächlich manchmal deutlich hinter all den Wunder zurücktritt, die er an Besessenen, Blinden, Tauben und sogar Toten wirkt.

(Fortsetzung folgt…)