Der Kreuzweg ist – bis auf eine Ansprache, die Jesus seinen Anhängern hält – mit dem der beiden anderen Evangelien identisch. Wobei Lukas die berühmten Worte einbaut: „Herr, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun.“ Anders verhält es sich allerdings mit den beiden Verbrechern, die links und rechts neben Jesus gekreuzigt wurden. Während sie bei Matthäus und Markus meinen, gerade in der richtigen Position zu sein, um einen Gekreuzigten zu verspotten, macht es bei Lukas nur einer von beiden, während der andere ihn zurechtweist: „Uns geschieht recht, wir erhalten den Lohn für unsere Taten; dieser aber hat nichts Unrechtes getan.“

Womit sich die beiden Männer einen erstaunlichen Ort für die letzte Meinungsverschiedenheit ihres Lebens ausgewählt hatten. Jedoch spricht viel dafür, dass eben dieser Streit mindestens für jenen Räuber, der Partei für Jesus ergriff, maßgeblichen Einfluss auf den Ort hatte, an dem er sich nach seinem Tod aufhalten wird. Erstaunlich eigennützig bittet er Jesus: „Denk an mich, wenn du in dein Reich kommst!“, was dieser ihm sofort zusichert: „Heute noch wirst du mit mir im Paradiese sein.“ Was zweifellos auch beweist, welcher der beiden gekreuzigten Räuber intelligenter war.

Während Lukas zumeist ein erstaunliches Talent dafür bewies, dramaturgische Glanzlichter zu setzen, gelang ihm das mit dem Tod von Jesus nicht. Matthäus ließ für diesen Moment die ganze Welt wackeln, doch Lukas beließ es dabei, den Vorhang im Tempel in zwei Teile reißen zu lassen. Zugleich ersetzte er das kraftvolle „Mein Gott, mein Gott, warum hast du mich verlassen“ (das wiederum aus einem Psalm von König David stammt) durch das bedeutend blassere „In deine Hände lege ich meinen Geist“ (stammt nicht von König David).

Bei Lukas erfährt man außerdem noch etwas mehr über Josef und damit den Mann, der Jesus begräbt. Es stellt sich heraus, dass er jenem Rat angehörte, der Jesus in einem inszenierten Prozess zum Tode verurteilte. Wobei es nicht weiter überraschen dürfte, dass er gegen die Hinrichtung gestimmt hatte. Nach der Erlaubnis von Pilatus nahm er Jesus vom Kreuz, hüllte ihn in ein Leinentuch und „legte ihn in ein Felsengrab, in dem noch niemand bestattet worden war.“ Als „die Frauen“ nach dem zwischenzeitlichen Sabbat zum Grab kamen, hatte jemand oder etwas den Stein schon zur Seite gewälzt, der das Grab verschlossen hatte. Sie gingen hinein und während sie noch überrascht auf die leere Stelle blickten, wo der Leichnam hätte liegen müssen, „traten zwei Männer in leuchtenden Gewändern zu ihnen.“ Es handelte sich um zwei Engel, die direkt auf den Punkt kamen: „Was sucht ihr den Lebenden bei den Toten? Er ist nicht hier, sondern auferstanden.“

(Fortsetzung folgt…)