Kein Teil des Lukas-Evangeliums unterscheidet sich an so vielen Stellen so erheblich von den anderen, wie ausgerechnet der wichtigste. Der nämlich, der sich um Verrat, Hinrichtung und Auferstehung dreht. Es geht schon damit los, dass Judas seinen Verrat begeht, weil Satan erfolgreich in ihn gefahren ist. Bislang gab es nie eine Erklärung für sein Motiv und nun stellt sich heraus, dass das Böse in Person ihn verführt hat.

Laut Lukas saßen Jesus und seine Jünger beim letzten Abendmahl auch nicht um einen Tisch herum, sondern lagen. Das berühmte Bildnis Leonardo Da Vincis müsste man sich demnach eher wie ein römisches Gelage vorstellen, wo die Männer sich auf Bänken hinstrecken.

Nachdem Jesus seine Jünger bei diesem Abendmahl – ob nun sitzend oder stehend – darüber in Kenntnis setzte, dass einer der Anwesenden ihn verraten wird, „fragte einer den anderen, wer von ihnen das wohl sei, der dies tun werde“. Vermutlich dürfte es niemanden überrascht haben, dass keiner in der Runde zerknirscht „Ich“ sagte. Wie unmittelbar aus dieser deprimierenden Stimmung heraus dennoch ein Streit darüber entbrennen konnte, wer von ihnen „der Größte“ sei, ist umso erstaunlicher. Jesus kann die Jünger aber mit dem Hinweis beruhigen, dass sie alle in seinem Reich an seinem Tisch sitzen werden und „auf Thronen die Stämme Israels richten werdet.“

Der Verdacht bleibt jedoch, dass irgendetwas an diesem Abend die Männer überforderte. Kaum hatten sie das „Größe“-Thema erledigt, sprach Jesus nämlich über seine Rolle im göttlichen Plan und endete mit „Alles, was über mich gesagt wird, geht in Erfüllung.“ Daraufhin fiel seinen Getreuen nichts anderes ein als die Bemerkung: „Herr, siehe, hier sind zwei Schwerter“, die sie prompt in die Höhe hielten, woraufhin er genervt schrie: „Genug davon!“

Lukas beschreibt auch die dramatischen Vorgänge in Getsemani in eigentlich jedem Punkt anders als Matthäus und Markus. Bei ihm sind alle Jünger mit Jesus zusammen, der sich also nicht mit dreien von ihnen absondert. Außerdem fordert er sie nachdrücklich auf, zu beten, während auch er nur wenige Meter neben ihnen zu seinem Vater (also Gott) betet und zaghaft antestet, ob diese ganze Kreuzigung denn wirklich notwendig sei. Um den verstörten Sohn zu beruhigen, erscheint ein Engel, bevor Jesus bald darauf die wenigen Schritte zu seinen Jüngern zurückkehrt (es gibt also keine weiteren Gespräche mit Gott) und feststellen muss, dass sie schlafen. Zwar heißt es, sie seien „vor Kummer erschöpft“ gewesen, aber nicht mal Jesus lässt das gelten und schimpft: „Wie könnt ihr schlafen?“

(Fortsetzung folgt…)