Erneut stehlen die Jünger das Fohlen, wobei sie in diesem Evangelium die schroffste Begründung für ihre Tat nennen: „Der Herr braucht es.“ Kein Versprechen, das Tier bald zurückzubringen.

Die Lukas-Version für den Einzug in Jerusalem weicht außerdem an einer entscheidenden Stelle von der in den beiden anderen Evangelien ab: Wo bisher die Bewohner am Straßenrand jubelten und Jesus einen begeisterten Empfang bereiteten, waren es nun vor allem die Jünger selbst, die für die Stimmung sorgten, was natürlich weniger beeindruckend wirkt.

Da kann auch die Antwort von Jesus an die Pharisäer nichts ändern, die von ihm verlangten, seine Jünger zum Schweigen zu bringen. Er rief: „Wenn sie schweigen, werden die Steine schreien“ – was in jedem Fall die beeindruckendere, aber auch unheimlichere Lösung gewesen wäre. Doch in jedem Fall gab es die Jerusalemer nicht, die Jesus einen denkwürdigen Empfang bereiteten und Kleider und Blumen vor ihm auf den Weg legten.

Bei Lukas wirkt die Bemerkung Jesu, dass am Tempel kein Stein auf dem anderen bleiben wird, wie eine Drohung, da sie seine Antwort auf den Hinweis ist, wie schön doch dieses Gebäude sei. Er kommt in diesem Evangelium also durchaus aggressiver in der Stadt an, als man es aus den anderen gewohnt ist. Vielleicht hat es ihn doch gekränkt, dass ihm ein so müder Empfang von den Einwohnern geboten wurde.

(Fortsetzung folgt..)