Wo bleiben die bayerlympischen Spiele?

Auch diese Olympischen Spiele werden wieder von Dopingskandalen überschattet. Ich habe eine Idee, wie sich dieses Problem lösen lässt. Und diese Idee ist kurz und knapp und heißt: Bayerlympics.

Warum wird aus der Not keine Tugend gemacht? Doping gab es schon immer und Doping wird es immer geben. Man kann es nicht aus der Welt schaffen, das ist unmöglich. Aber man könnte es in legale Bahnen lenken. Warum wird nicht ganz offiziell eine weitere olympische Bühne eröffnet, auf der Dopingmittel selbstverständlicher Teil der Wettkämpfe sind?

Es wäre doch spannend zu sehen, was die Pharmaindustrie für Wundermitteln im Angebot hat und wie sehr das die Grenzen dessen verschiebt, was Menschen unter „normalen“ Bedingungen leisten können. Die 100-Meter unter neun Sekunden? Weitsprünge von 10 Metern und mehr? Marathonläufer, die nach neunzig Minuten duschen gehen? Es wäre ziemlich spannend zu sehen, was diese Frankensteinspiele für Ergebnisse erzielen würden.

Die Gefahr, dass das legale Dopen eine Gefahr für die Sportler darstellt, gibt es zwar, aber Gefahren für die Gesundheit gibt es im Leistungssport ohnehin immer. Leistungssport ist nun einmal Extremsport. Gleichzeitig kann kein Pharmaunternehmen ein Interesse daran haben, Sportler zu Tode zu dopen, was schon eine Skrupelbremse aus wirtschaftlichen Gründen garantiert.

Von daher dürfte die Gefahr, dass die Athleten wie Versuchskaninchen mit neusten Tabletten und Pillen gemästet werden, unbegründet sein. Das Gegenteil wird eintreten: gerade weil Doping dadurch legal wird, wird es weniger Fälle geben, bei denen Sportler durch Dopingmittel gesundheitlich ruiniert werden oder sogar sterben. Denn erst die Illegalität sorgt dafür, dass viele (heute noch) unerlaubte Mittel nicht perfekt auf den jeweiligen Sportler abgestimmt werden können. Da würde es eine ganz andere Art der Professionalisierung geben, wenn Doping nicht mehr als ultimativer Sündenfall gesehen würde, sondern ein normaler Teil der pharmazeutisch-sportlichen Vorbereitungen wäre.

Auf diese Weise würde es also künftig die traditionellen Spiele geben (bei denen Dopingfälle ab dann drakonisch bestraft gehören) und eben die Bayerlympics, bei denen die Pharmaindustrie zeigen darf, was ihre Labore so alles zu bieten haben.

Von Gideon Böss erschien zuletzt das Sachbuch „Deutschland, deine Götter – Eine Reise zu Tempeln, Kirchen, Hexenhäusern“

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