Der postheroische Mann soll bitte postheroisch bleiben

In den letzten Tagen mehren sich die Artikel, die Fragen, wo denn eigentlich die Männer geblieben sind? Also die echten Männer natürlich! Hätten sie nicht in Köln ihre Frauen und Freundinnen beschützen müssen? Warum habe sie es nicht getan? Da wird vom postheroischen Mann geschrieben, der nicht mehr weiß, was sich für einen echten Mann gehört.

Auch für den immer lesenswerten Eckhard Fuhr hat der moderne Mann in Köln versagt. Genauer: er hat die „zivilgesellschaftliche Feuerprobe unter verschärften Migrationsbedingungen“ nicht bestanden. Ich glaube nicht, dass das etwas mit „verschärften Migrationsbedingungen“ zu tun hat. Bislang war es jedenfalls auch unter Migranten nicht üblich, sich zum Einstand ihrer Zeit in Deutschland auf belebten Plätzen zu treffen, um Frauen zu vergewaltigen. Von daher dürfte dieses Problem mehr ein kulturelles sein, das vor allem mit dem mitgebrachten Frauenbild dieses Täterkreises zu tun hat, als ein klassisches jeder Migrationswelle. Oder glaubt jemand, dass die Vorfälle in Köln auch stattgefunden hätten, wenn eine Millionen Japaner ins Land gekommen wären? Als wären sie so etwas wie ein Naturgesetz. Offenbar gibt es „verschärfte Migranten“ und „Migranten“ und aktuell kommen eben auch Verschärfte ins Land.

Mit dem postheroischen Mann hat das alles erst einmal nur insofern zu tun, als dass dieser mit Empathie ausgestattet ist und mehrheitlich der Meinung war und ist, dass Deutschland seine Grenzen für Flüchtlingen offen halten soll. Was in Köln passierte, war kein Zusammenstoß des postheroischen Mannes mit dem heroischen Mann (wo bitte gilt es als heroisch, wenn Dutzende Männer einzelne Frauen niederprügeln und sexuell missbrauchen?), sondern der Zivilisation mit der Barbarei. Konflikte werden in der Zivilisation mit Worten gelöst. Körperliche Gewalt ist tabuisiert und nur in Ausnahmesituationen und auch dann in engen Grenzen erlaubt. Dass Frauen in der westlichen Welt auf öffentlichen Plätzen systematisch festgehalten, geschlagen und missbraucht werden, kam so schlicht noch nicht vor.

Das Problem sind dabei aber nicht die postheroischen Männer, denen es in der Silvesternacht offenbar nicht gelang, ihre Frauen zu beschützen. Das Problem ist ein Rechtsstaat, der versagt hat. Wenn ein Staat das Gewaltmonopol für sich reklamiert, muss er auch in der Lage sein, die Bürger vor Gewalt zu schützen (überall, aber ganz besonders an belebten Plätzen). Wenn er das nicht leisten kann, steht das Gewaltmonopol in Frage. Dann muss nach Alternativen Ausschau gehalten werden und zu denen könnte auch die Bewaffnung der Bevölkerung gehören. Dann hätte man übrigens sehr schnell wieder den heroischen Mann zurück. Es ist nur nicht sicher, ob das dann wirklich eine bessere Gesellschaft wäre.

Schreibe einen Kommentar